Max Cappabianca OP fordert mehr Selbstkritik von der Kirche 

 

Abb.: Katholisch.de

[05.11.2021] Manchmal wird beklagt, die Kirche würde - etwa beim Thema Missbrauch - in der Öffentlichkeit zu sehr an den Pranger gestellt. Doch es sei problematisch, wenn die Kirche nur als Opfer des medialen Diskurses dargestellt werde, kommentiert Max Cappabianca OP (Dominikanerkommunität Chenu Berlin / Katholische Studierendengemeinde Edith Stein Berlin) auf Katholisch.de. 

In seinem "Standpunkt" schreibt der Theologe und Journalist Cappabianca:

"Wenn der Kirche ihre Skandale vorgehalten werden, dann wird innerkirchlich zuweilen beklagt, dass mit zweierlei Maß gemessen würde. Missbrauch sei keineswegs ein 'katholisches Problem. In absoluten Zahlen gäbe es in Familien und anderswo viel mehr Fälle von Missbrauch als in der Kirche. Aber darüber schwiegen die Medien.

Oder das Problem der 'Residential schools' in Kanada: Das sind Umerziehungseinrichtungen, in denen Kinder von Indigenen von ihren Müttern brutal getrennt wurden, um sie kulturell zu assimilieren. Seitdem bekannt wurde, dass auch in Einrichtungen der katholischen Kirche zahlreiche Kinder zu Tode kamen und in Massengräbern verscharrt wurden, ist das Entsetzen groß. Allerdings habe die katholische Kirche ja nicht allein bei diesem System mitgemacht. Auch Kinderheime anderer Konfessionen und staatliche Einrichtungen hätten systematisch Kindesraub begangen. Wenn der kanadische Premier nun eine Entschuldigung von der katholischen Kirche fordere, sei das verlogen, denn schließlich hätte die Kirche im Auftrag des Staates so gehandelt. Noch unglaubwürdiger werde diese Haltung, wenn der kanadische Staat Entschädigungsleistungen verweigere. (...)"

 

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