Ulrich Engel OP plädiert für post-pastorale Machtverhältnisse in der Kirche

 

Abb.: Echter Verlag

[01.11.2021] Das Thema Macht ist virulent und elektrisiert viele gerade auch im kirchlichen Umfeld. Das hat seine Gründe. Kirche und Macht haben seit der konstantinischen Zeit eine besondere Affinität zueinander. Macht ist in der DNA von Kirche bis heute verankert, auch mit ihrer dunklen Seite, wie der Umgang mit dem Missbrauchsskandal und die hierdurch ausgelöste Diskussion gezeigt haben. Auf dem 6. Kongress der Reihe „Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft“ im Dezember 2019 wurden Formen, Strukturen und Mechanismen von Macht im Allgemeinen und Macht in der Kirche im Besonderen thematisiert und einem konstruktiven Diskurs zugänglich gemacht. 

Der daraus hervorgegangene Band enthält die fachlichen Beiträge des Kongresses, Reflexionen von am Kongress Teilnehmenden sowie die Ergebnisse der Befragung von Führungskräften beider großen Kirchen zum Thema Macht. Als Herausgeber*in des Bandes fungieren Dr. Valentin Dessoy, Dipl.-Psych. (Mainz), Ursula Hahmann, Dipl.-Kff. (Aachen), und Dr. Gundo Lames (†)Markante Beiträge der Macht-Ausgabe des Online-Magazins "futur2" runden das Thema ab.

Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Campus für Theologie und Spiritualität Berlin) ist gleich mit zwei Beiträgen in dem Sammelband vertreten.

Im ersten Artikel befasst er sich mit post-pastoralen Machtverhältnissen in der Kirche. Mit Michel Foucault hält er fest, dass es keine machtfreien Räume gibt. Eine absolut herrschaftsfreie Kommunikation ist eine Utopie. Auch im kirchlichen Kontext. Vor dem Hintergrund des massenhaften sexuellen und spirituellen Machtmissbrauchs in der Kirche erinnert Engel in seinem Aufsatz an die These Foucaults, nach der Machtanwendung – ob sie will oder nicht – dazu beiträgt, subversive, widerständige Gegenmächte zu mobilisieren. Deshalb bedarf es eines Widerstand – auch in der Kirche –, der auftritt wie die Macht: genauso erfinderisch, genauso beweglich, genauso produktiv. Vorbildlich in ihrer produktiven Kreativität wider die autoritär-klerikalistischen Machtverhältnisse in der katholischen Kirche sind nach Engel z.B. die gegenmächtigen Aktionen von "Maria 2.0".

Der zweite Beitrag Engels ist aus der Ausgabe zum Thema Macht des Online-Magazins "futur2" (2/2019) entnommen. In diesem Text reflektiert er über die demokratische Verfassung des Prediger- bzw. Dominikanerordens (Ordo Praedicatorum) im Blick auf ihre spirituelle und kirchenpolitische Relevanz. In seinem Text zeigt der Autor, dass es in der globalen Catholica – anders als von konservativen Kirchenvertretern so angstbesetzt und wie laut behauptet – bereits seit dem Mittelalter und mit päpstlichen Bullen versehen demokratische Verfassungsstrukturen gibt. Mit Hilfe dieser partizipativen Strukturen und transparenten Kontrollmechanismen in der Gesamtkirche, so Engel, könnte Machtmissbrauch minimiert werden.

Die Strategiekongresse wurden 2008 aus der Taufe gehoben. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Führungs- und Fachkräfte kirchlicher Organisationen (Bistümer und Landeskirchen, Caritas und Diakonie, Verbände, Einrichtungen, Unternehmen, Hochschulen, Orden …) sowie Verantwortungsträger der Gesellschaft. Der Kongress bietet eine Plattform, relevante Zukunftsthemen an der Schnittstelle zwischen Kirche und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven anzuschauen, in freier und kreativer Atmosphäre zu diskutieren und mit der eigenen Praxis zu verknüpfen. Nicht zuletzt geht es darum, sich zu vernetzen und innovative Impulse für die Entwicklung in Kirche und Gesellschaft zu setzen.

 

Bibliographie: 

Ulrich Engel, „Reflektierte Unfügsamkeit“ (Michel Foucault). Ein Plädoyer für post-pastorale Machtverhältnisse in der Kirche, in: V. Dessoy / U. Hahmann / G. Lames (Hrsg.), Macht und Kirche, Würzburg 2021, 103–116. 

Ulrich Engel, Leitung auf Zeit – Leitung durch Wahl. Über die demokratische Verfassung des Dominikanerordens im Blick auf ihre spirituelle und kirchenpolitische Relevanz, in: V. Dessoy / U. Hahmann / G. Lames (Hrsg.), Macht und Kirche, Würzburg 2021, 272-287.

Valentin Dessoy / Ursula Hahmann / Gundo Lames (Hrsg.), Macht und Kirche, Echter Verlag Würzburg 2021, 360 S., € 36,00, ISBN 978-3-429-05673-5. 

 

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