Sundowner von Thomas Eggensperger OP für die Thomas-Morus-Akademie Bensberg

 

Abb.: Thomas-Morus-Akademie Bensberg

[15.08.2021] Mit Jesus über Gott und die Welt reden, mit Mahatma Gandhi über zivilen Ungehorsam debattieren, mit Jean-Paul Sartre philosophieren, mit Yoko Ono und Banksy über Kunst, mit Michelle Obama über Gerechtigkeit sprechen… bei einem Glas Wein oder einem Drink. Es gibt unzählige Menschen, denen werden wir nie begegnen, die uns jedoch sehr faszinieren und mit denen wir uns gerne einmal austauschen möchten. Welche Fragen würden wir ihnen stellen? Welche Antworten würden sie geben? Was genau fasziniert uns an ihnen?

Für die digitale Sommer-Reihe der Thomas-Morus-Akademie Bensberg hat Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, M.A. (Institut M.-Dominique Chenu / Campus für Theologie und Spiritualität Berlin / Phil.-Theol. Hochschule Münster) die berühmte Journalistin und Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) ausgewählt, mit der er gerne einmal den Tag mit einem Sundowner ausklingen lassen möchte.

 


 

"Gerne würde ich mit der Denkerin Hannah Arendt (1906-1975) in New York eine Margarita trinken! Mit Rücksicht auf ihre Lust an der Zigarette käme eine Rooftop-Bar in Frage, in der das Rauchen noch erlaubt ist, ansonsten liefe es wohl auf eine Cigar Lounge in einem kultivierten Hotel hinaus. Sie würde sich vermutlich einen Whiskey bestellen – wenngleich behauptet wird, dass sie am liebsten Campari trank. Das Interieur der Bar sollte klassisch-edel sein, denn im Umfeld von Kitsch und Schnickschnack würde Arendts Stimmung schnell kippen und der Abend wäre gelaufen…

Eine der vorrangigen Fragen, die ich ihr stellen würde, wäre, wie sie es denn nun hielte mit dem, was wir im landläufigen Sinne „Freundschaft“ nennen. Arendt hat zum Begriff zwar einiges geschrieben, aber ihr Verständnis von Freundschaft lehnt sich an die griechische „philía“, die eine spezifische Bedeutung hat. Um in der Bar nicht unangenehm aufzufallen, würde ich nur eines ihrer Bücher mitgebracht haben, aus dem ich Frau Arendt ihre eigenen Textstellen vorlesen würde, nämlich den „Sokrates“. Er beruht auf einem 1954 gehaltenen Vortrag an der Universität von Notre-Dame zum Thema „Philosophie und Politik. Das Handeln und Denken nach der Französischen Revolution“ (Sokrates. Apologie der Pluralität, Berlin 2016). Ich würde aus dem Vortrag einige Sätze zitieren: „Sokrates versuchte, aus den Bürgern Athens Freunde zu machen“ – Arendt würde vermutlich in Ahnung, was kommen würde, leicht entnervt mit dem Gesicht zucken und einen Zug aus der Zigarette nehmen [...]" 

 

 

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