Ulrich Engel OP begleitet Fortbildung des Bistums Münster

Foto: bahn.de

[10.10.2019] Wie können Seelsorger*innnen von einem Unternehmen lernen, das ein ähnlich schlechtes Image hat wie die Kirche? – Das Bistum Münster wollte es wissen und bot am 4./5. Juli und am 30. September/1. Oktober 2019 im Maternushaus zu Köln (Nähe Hauptbahnhof) ein zweiteiliges Fortbildungsformat an, das bei der Deutschen Bahn fremd-lernen wollte. Kreativ konzipiert und umsichtig geleitet wurde die Doppelveranstaltung von den beiden Pastoralreferenten Peter Havers (Kirche am Campus, Vechta) und Daniel Gewand (frei.raum.coesfeld).

Im Sinne einer „Fremdprophetie“ ließen sich die Teilnehmer*innen – Pastoralreferent*innen, Diakone und Priester – im ersten Block der Fortbildung von Profis der Bahn (Zugbegleiter, Manager, Servicemitarbeiterin) über Konzepte und Strategien informieren. Zudem befassten sie sich mit der ökumenischen Bahnhofsmission "Engel am Zug" in Erfurt.  Von deren Expertise im Umgang mit Kund*innen, mit Markenentwicklung, plötzlichen Herbst- oder Wintereinbrüchen und dem Image der Bahn konnten sie lernen.

Exemplarisch ging es im zweiten Block der Veranstaltung um Konsequenzen und Handlungsoptionen im eigenen pastoralen Arbeitsfeld. Diese diskutieren und reflektieren die Teilnehmer*innen zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Phil.-Theol. Hochschule Münster) in pastoraltheologischer und ekklesiologisch er Hinsicht. Engel präsentierte seine entsprechenden Überlegungen in fünf Schritten unter dem Titel: „Kirche lernt fremd – von der Bahn. Systematisch-theologische Reflexionen und spirituelle Impulse“:

  1. Vorkonziliare Selbstgewissheit: Kirche als „Societas perfecta“
  2. Konziliarer Aufbruch: Kirche im Dialog mit der „Welt“
  3. Theologiegeschichtliche Vergewisserung: Melchor Cano OP (1509-1560) und seine Lehre von den „Loci theologici“
  4. Spiritualität der Differenz nach Papst Franziskus. Oder: Nicht ohne!
  5. Gast-sein. Biblisches zu einer Haltung des Fremdlernens

Die Fortbildung bot somit Gelegenheit, in der „Fremde“ neue Ideen für die „Heimat“ zu entdecken, diese praktisch zu erproben und theologisch zu hinterfragen. Dazu formulierte jede*r Teilnehmer*in ein Lernziel für die Zeit zwischen den Blöcken im eigenen Handlungsfeld der Pastoral. Die Evaluation und Reflexion des individuellen Lernprozesses wurde dann zur Grundlage der theologischen Reflexion im zweiten Block der Fortbildung. 

 

Video-Interview mit Kaplan Hanno Rother (YouTube von "Kirche + Leben") >>