Münsteraner Zeitschrift "Kirche und Schule" rezensiert Essen-Studie

Foto: Verlag Herder, Freiburg/Br.

[05.01.2019] Im Dezember-Heft 2018 der vom Bistum Münster herausgegebenen Zeitschrift "Kirche und Schule" rezensiert Dr. Stephan Chmielus, Mitarbeiter im Generalvikariat der westfälischen Diözese, die Kirchenaustrittsstudie des Bistums Essen, an den auch das Institut M.-Dominique Chenu Berlin maßgeblich mitgearbeitet hat. Der Rezensent schreibt u.a.:

"Mit Blick auf das Bistum Essen bezeichnet Generalvikar Pfeffer die dritte Teilstudie als Fundgrube für theologische 'Hausaufgaben' (S. 11). Erstellt am Institut Marie Dominique Chenu in Berlin greift sie die Ergebnisse der beiden ersten Teilstudien auf und deutet sie als Erosion der „Pastoral der Rahmung" (S. 211). Mit diesem Terminus bezeichnet sie die im Anschluss an das zweite Vatikanum verbreitete Gemeindetheologie, die als Reaktion auf das Verschwinden des katholischen Milieus das Prinzip Gemeinde als quasi-familiäre Lebensgemeinschaften propagierte (S. 216f.). Mit José Casanova interpretieren die Dominikaner Säkularisierung in Europa als Transformationsprozess: Religion verschwindet nicht einfach. Zu beobachten ist vielmehr eine „Selbstermächtigung des religiösen Subjektes" (S. 220). Religiöser Glauben wird von Formen der Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften befreit. Kirchliche Kontroll- und Sanktionsmechanismen laufen ins Leere; Individualisierung und Pluralisierung werden möglich (S. 221f.). Diese soziologische Tatsache als „Zeichen der Zeit" zu betrachten und vor dem Hintergrund des Evangeliums zu deuten, wie es „Gaudium et spes" fordert, ist der Ansatz, mit dem im Folgenden nach einer Gestalt von Kirche gesucht wird, die den Bedingungen heutiger Gesellschaft entspricht (S. 255).

Gefunden wird sie in Orientierung am Modell der Sozialen Bewegungen. Ein Rückblick auf bibelwissenschaftliche Befunde zur sozialen Gestalt der Jesusbewegung (S. 223ff.) macht deutlich, dass das Phänomen von unterschiedlichen Formen der Zugehörigkeit für die Kirche nichts wirklich Neues darstellt. Das Modell einer „Kirche mit offenen Rändern" mag zwar unübersichtlich erscheinen; die Autoren weisen aber nach, dass es soziologisch angemessen, theologisch legitim und sachgerecht ist (S. 256). In ihren Handlungsempfehlungen heben die Autoren folgende Merkmale und Schwerpunkte einer pluralitätsfähigen lernenden Kirche hervor: Eine positive Sicht auf punktuelle Unterstützer und Sympathisanten, die Stärkung kirchenbindender Elemente wie Kasualien und des sozial-caritatives Engagements sowie bzgl. liturgischer Feiern eine Reziprozität von (erlebtem) Inhalt und ritueller Form (S. 261f.). Sie heben dabei hervor, dass die Konkretisierung dieses Modells eine Frage gelebter Glaubenspraxis vor Ort darstellt." (S. 45)

 

Bibliographie: Stephan Chmielus, Kirchenaustritt - oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss, in: Schule und Kirche. (Fachzeitschrift der HA Schule und Erziehung im Bistum Münster), Nr. 186 / Dezember 2018, 44-45 (=   https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Publikationen/Kirche-und-Schule/2018/2018-12-KuS-Umsonst.pdf).

 

Die Rezension insgesamt findet sich auf der Seite des Bistums Münster (s. 44f.) >>

Website der Bistums Essen zu Kirchenaustritt bzw. -verbleib >>

Informationen zur Studie auf der Seite des Verlags Herder >>

 

 

 

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