Th. Eggensperger OP und U. Engel OP unterzeichnen kritische Stellungnahme

 

Abb. queer.de

[24.03.2021] Mehr als 270 Professorinnen und Professoren der katholischen Theologie aus dem deutschen Sprachraum haben eine Stellungnahme unterzeichnet, die von einer Arbeitsgruppe an der Universität Münster entworfen wurde. Die Stellungnahme distanziert sich von dem jüngsten Responsum der Glaubenskongregation, das die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften für theologisch unmöglich erklärt. Zu den Unterzeichnern gehören auch die Direktoren des Institut M.-Dominique Chenu Berlin, Thomas Eggensperger OP und Ulrich Engel OP. 

Die Stellungnahme im Wortlaut: "Am 15. März 2021 veröffentlichte die Glaubenskongregation ein Responsum, in dem sie die Möglichkeit zur kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bestreitet. Hierzu nehmen wir als Professorinnen und Professoren der katholischen Theologie Stellung. Der „Erläuternden Note“ zum Responsum und dem zeitgleich veröffentlichten „Kommentar“ mangelt es an theologischer Tiefe, an hermeneutischem Verständnis sowie an argumentativer Stringenz. Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität. Der Text ist von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt und diskriminiert homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe. Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares. In vielen Gemeinden erkennen Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen homosexuell lebende Menschen an, auch indem sie Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten und über angemessene liturgische Formen solcher Feiern reflektieren. Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich."

 

Zur Liste der Unterzeichner*innen >> 

 

 

 

 

Thomas Eggensperger OP über das Verhältnis von Gustavo Gutiérrez OP zu M.-Dominique Chenu OP

 

Coverabb.: Tyrolia Verlag

[22.03.2021] Als Gustavo Gutiérrez im Juli 1968 im Vorfeld der Zweiten Generalversammlung der Lateinamerikanischen Bischöfe (Medellín) in der peruanischen Stadt Chimbote den Vortrag "Hacia una teología de la liberación" hielt und diesen Text in stark erweiterter Form im Dezember 1971 als Buch unter dem Titel Teología de la liberación. Perspectivas veröffentlichte, ahnte er nicht, welch nachhaltige Wirkungsgeschichte diese Publikation haben würde. In mehrere Sprachen übersetzt und in vielen Auflagen neu ediert, gehört Gutiérrez Theologie der Befreiung zu den bekanntesten theologischen Büchern des 20. Jahrhunderts und erfuhr sowohl begeisterte Zustimmung und intensive Rezeption als auch Kritik und Ablehnung.

In vier Teilen bietet der inzwischen dem Dominikanerorden beigetretene Gutiérrez eine eindrückliche Vermittlung von Gesellschaftsanalyse und Glaubensreflexion, von Soziologie und Theologie, politischer Positionierung und spiritueller Vertiefung, sozialer Emanzipation und kirchlicher Praxis und fragt in all dem nach den Beziehungen zwischen religiösem "Heil" und gesellschaftlicher "Befreiung". Die Herausforderung, angesichts bedrängender Erfahrungen von Armut und Unterdrückung das Verhältnis von "Befreiung" und "Erlösung" zu verstehen und theologisch (neu) zu begreifen, bildet den roten Faden dieses Buches, in dem Fragen der theologischen Erkenntnislehre, der Entwicklungstheorie, der Ethik und Politikwissenschaft genauso behandelt werden wie Themen der kirchlichen Pastoral, der Christologie und Soteriologie sowie der Eucharistielehre.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Erscheinens dieses theologischen Klassikers beleuchten 16 Autorinnen und Autoren Aspekte der Theologie der Befreiung, wie sie Gustavo Gutiérrez konzipiert hatte, und begreifen diese Publikation als Ermutigung für Theologie und Kirche, im Geist dieses großen befreiungstheologischen Impulses in die Zukunft zu blicken.

Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, M.A. (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster) widmet sich in seinem Beitrag der Relation zwischen Gutiérrez und seinem Lehrer Marie-Dominique Chenu (1895-1990). Dazu erinnert er an eine Veranstaltung des Institut M.-Dominique Chenu Berlin im Jahr 2004 an der Universität Tübingen und unterzieht den dort von Gutiérrez gehaltenen, sehr persönlich gefärbten Vortrag mit Titel "Chenu -Theologian of the signs of the time" einer Relecture.

Die Dominikaner-Provinz Teutonia (Köln) hat zusammen mit anderen Organisationen die Publikation des von Prof. Dr. Michelle Becka (Universität Würzburg) und Prof. Dr. Franz Gmainer-Pranzl (Universität Salzburg) verantworteten Sammelbands mit einem Druckkostenzuschuss gefördert.  

 

Bibliographische Angaben: Thomas Eggensperger, Befreiungstheologie – eine Tochter Chenus? Gustavo Gutiérrez rezipiert M.-Dominique Chenu, in: Michelle Becka / Franz Gmainer-Pranzl (Hrsg.), Gustavo Gutiérrez: Theologie der Befreiung (1971/2021). Der bleibende Impuls eines theologischen Klassikers (Salzburger Theologische Studien Bd. 64 / Salzburger Theologische Studien interkulturell Bd. 21), Innsbruck – Wien 2021, 63-70. 

 

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1/2021: "Demokratie. Wie im Orden, so in Kirche"

Abbildung: www.wort-und-antwort.de

[04.03.2021] "Aus Anlass des diesjährigen 800. Todestags unseres Ordensgründers, des hl. Dominikus, sowie des Jubiläums der Gründung der norddeutschen Dominikaner-Provinz Teutonia und des Kölner Konvents ebenfalls vor 800 Jahren widmet sich diese Ausgabe von Wort und Antwort einem urdominikanischen Thema: Demokratie. Während demokratische Strukturen und katholische Kirche oft als miteinander unvereinbar gelten, stellt die demokratische Verfassung des Prediger- bzw. Dominikanerordens ein über Jahrhunderte bewährtes Modell für Partizipation und geteilte Verantwortung innerhalb der Kirche dar. Dafür steht nicht zuletzt auch die traditionelle Wahlurne mit ihren weißen und schwarzen ‚Bohnen‘ auf dem Titelbild, die zum Willensbildungsprozess einer Gemeinschaft zum Einsatz kommt. (...) Hoffen wir, dass die Beiträge in dieser Ausgabe Impulse für einen demokratischen Aufbruch in der gesamten Kirche setzen." (Editorial)  

 

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