Ulrich Engel OP reflektiert über strukturelle Missbrauchsanfälligkeit des Sakraments

 

Coverabb.: Echter Verlag

[25.03.2021] Sexualisierte Gewalt in der Kirche geschah nicht selten im Kontext der Beichtseelsorge. Nicht zuletzt deswegen steht sie heute besonders auf dem Prüfstand. Der aus einem Symposium für Beichtseelsorger, veranstaltet vom Pastoralseminar der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster, hervorgegangene Band bringt unterschiedliche Perspektiven aus Praxis und Wissenschaft miteinander ins Gespräch: Erfahrungen von Seelsorgern, Erkenntnisse aus der psychologischen Begleitung von Opfern und Tätern, pastoralpsychologische, kirchenrechtliche, systematisch-theologische und pastoraltheologische Einsichten. Als Herausgeber des Buches fungiert die ehemalige Leitung des Pastoralseminars, Prof. Dr. Katharina Karl (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) und Harald Weber OFMCap (Stühlingen). Die Beiträge geben Impulse für die Aufarbeitung von Missbrauchserfahrungen sowie für ihre Prävention und bietet Grundlagen für Präventionsschulungen in Diözesen und Ordensgemeinschaften, aber auch für die Diskussion darüber hinaus.

Zu den Autor*innen zählt auch Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster). Unzweifelhaft, so Engel, befindet sich das Institut des Bußsakraments in einer tiefen Krise, nicht zuletzt weil es in der Vergangenheit zur Ausübung von Macht missbraucht worden ist. Von vielen wurde und wird die Beichte als klerikal-übergriffige Einmischung in ihre Privatsphäre empfunden. Dazu zeigt Engel auf, inwiefern in der theologischen Begründung des Beichtsakraments wie auch in den dazugehörigen pastoralen Praxen möglicher Machtmissbrauch strukturell bzw. systemisch angelegt ist. Untersucht wird die historische Genese des Sakraments und seiner aktuellen Form vor dem Hintergrund des Theorems der „Pastoralmacht“ bei Michel Foucault und der von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebenen MHG-Studie.

 

Bibliographische Angaben: Ulrich Engel, Strukturell missbrauchsanfällig… Das Institut der Beichte zwischen pastoraler Seelenführungstechnik und klerikal(istisch)em Kontrollinstrument – eine theologische Reflexion im Anschluss an Michel Foucault, in: Katharina Karl / Harald Weber (Hrsg.), Missbrauch und Beichte. Erfahrungen und Perspektiven aus Praxis und Wissenschaft, Würzburg 2021, 93-136.

 

Zum Buch auf der Website des Echter Verlags >> 

 

 

 

 

Th. Eggensperger OP und U. Engel OP unterzeichnen kritische Stellungnahme

 

Abb. queer.de

[24.03.2021] Mehr als 270 Professorinnen und Professoren der katholischen Theologie aus dem deutschen Sprachraum haben eine Stellungnahme unterzeichnet, die von einer Arbeitsgruppe an der Universität Münster entworfen wurde. Die Stellungnahme distanziert sich von dem jüngsten Responsum der Glaubenskongregation, das die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften für theologisch unmöglich erklärt. Zu den Unterzeichnern gehören auch die Direktoren des Institut M.-Dominique Chenu Berlin, Thomas Eggensperger OP und Ulrich Engel OP. 

Die Stellungnahme im Wortlaut: "Am 15. März 2021 veröffentlichte die Glaubenskongregation ein Responsum, in dem sie die Möglichkeit zur kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bestreitet. Hierzu nehmen wir als Professorinnen und Professoren der katholischen Theologie Stellung. Der „Erläuternden Note“ zum Responsum und dem zeitgleich veröffentlichten „Kommentar“ mangelt es an theologischer Tiefe, an hermeneutischem Verständnis sowie an argumentativer Stringenz. Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität. Der Text ist von einem paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt und diskriminiert homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe. Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares. In vielen Gemeinden erkennen Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen homosexuell lebende Menschen an, auch indem sie Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten und über angemessene liturgische Formen solcher Feiern reflektieren. Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich."

 

Zur Liste der Unterzeichner*innen >> 

 

 

 

 

Thomas Eggensperger OP über das Verhältnis von Gustavo Gutiérrez OP zu M.-Dominique Chenu OP

 

Coverabb.: Tyrolia Verlag

[22.03.2021] Als Gustavo Gutiérrez im Juli 1968 im Vorfeld der Zweiten Generalversammlung der Lateinamerikanischen Bischöfe (Medellín) in der peruanischen Stadt Chimbote den Vortrag "Hacia una teología de la liberación" hielt und diesen Text in stark erweiterter Form im Dezember 1971 als Buch unter dem Titel Teología de la liberación. Perspectivas veröffentlichte, ahnte er nicht, welch nachhaltige Wirkungsgeschichte diese Publikation haben würde. In mehrere Sprachen übersetzt und in vielen Auflagen neu ediert, gehört Gutiérrez Theologie der Befreiung zu den bekanntesten theologischen Büchern des 20. Jahrhunderts und erfuhr sowohl begeisterte Zustimmung und intensive Rezeption als auch Kritik und Ablehnung.

In vier Teilen bietet der inzwischen dem Dominikanerorden beigetretene Gutiérrez eine eindrückliche Vermittlung von Gesellschaftsanalyse und Glaubensreflexion, von Soziologie und Theologie, politischer Positionierung und spiritueller Vertiefung, sozialer Emanzipation und kirchlicher Praxis und fragt in all dem nach den Beziehungen zwischen religiösem "Heil" und gesellschaftlicher "Befreiung". Die Herausforderung, angesichts bedrängender Erfahrungen von Armut und Unterdrückung das Verhältnis von "Befreiung" und "Erlösung" zu verstehen und theologisch (neu) zu begreifen, bildet den roten Faden dieses Buches, in dem Fragen der theologischen Erkenntnislehre, der Entwicklungstheorie, der Ethik und Politikwissenschaft genauso behandelt werden wie Themen der kirchlichen Pastoral, der Christologie und Soteriologie sowie der Eucharistielehre.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Erscheinens dieses theologischen Klassikers beleuchten 16 Autorinnen und Autoren Aspekte der Theologie der Befreiung, wie sie Gustavo Gutiérrez konzipiert hatte, und begreifen diese Publikation als Ermutigung für Theologie und Kirche, im Geist dieses großen befreiungstheologischen Impulses in die Zukunft zu blicken.

Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, M.A. (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster) widmet sich in seinem Beitrag der Relation zwischen Gutiérrez und seinem Lehrer Marie-Dominique Chenu (1895-1990). Dazu erinnert er an eine Veranstaltung des Institut M.-Dominique Chenu Berlin im Jahr 2004 an der Universität Tübingen und unterzieht den dort von Gutiérrez gehaltenen, sehr persönlich gefärbten Vortrag mit Titel "Chenu -Theologian of the signs of the time" einer Relecture.

Die Dominikaner-Provinz Teutonia (Köln) hat zusammen mit anderen Organisationen die Publikation des von Prof. Dr. Michelle Becka (Universität Würzburg) und Prof. Dr. Franz Gmainer-Pranzl (Universität Salzburg) verantworteten Sammelbands mit einem Druckkostenzuschuss gefördert.  

 

Bibliographische Angaben: Thomas Eggensperger, Befreiungstheologie – eine Tochter Chenus? Gustavo Gutiérrez rezipiert M.-Dominique Chenu, in: Michelle Becka / Franz Gmainer-Pranzl (Hrsg.), Gustavo Gutiérrez: Theologie der Befreiung (1971/2021). Der bleibende Impuls eines theologischen Klassikers (Salzburger Theologische Studien Bd. 64 / Salzburger Theologische Studien interkulturell Bd. 21), Innsbruck – Wien 2021, 63-70. 

 

Zur Website des Tyrolia Verlags und zum Inhaltsverzeichnis des Buches (→ Leseproben) >> 

 

 

 

 

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