Ulrich Engel OP präsentiert theologische Bausteine für eine pfarrerliche Spiritualität

Foto: Bistum Münster (Gruppe Fortbildung)

[06.11.2019] Auf Einladung der Fortbildungsabteilung des Bistums Münster leitete Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Phil.-Theol. Hochschule Münster) am 4.-5. November 2019 ein zweitägiges Follow up zum fünfteiligen Kurs "Führen und Leiten". Die Veranstaltung in Rheine richtete sich an Leitende Pfarrer und suchte mit ihnen theologische Bausteine für eine pfarrerliche Spiritualität zu erarbeiten. Unterstützt von Frau Dipl.-Päd. Barbara Kormann, TrEnt, Mitarbeiterin im Generalvikariat Münster (Gruppe Fortbildung), erarbeiteten sich die Teilnehmer persönliche Zugänge und biblisch gegründete Haltungen für ihre pastorale Tätigkeit. Engel präsentierte systematisch-theologische und Inputs, leitete mit Hilfe ganz unterschiedlicher Methodiken zu persönlichen Reflexionen, Gruppenarbeiten und pastoralpraktisch ausgerichteten Diskussionen über Identität und Spiritualität der Leitenden Pfarrer an. Thematisiert wurde in diesem Zusammenhang auch der massenhafte Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und schutzbefohlenen Erwachsenen durch Priester - oftmals Pfarrer - und die ihnen zugesprochene "Pastoralmacht" (Michel Foucault).

Engel referierte am ersten Tag der Fortbildung zur Identität und Spiritualität Leitender Pfarrer im Anschluss an die Sesamstraße. Dabei untersuchte er in etymologischer Perspektive das Wortfeld "Pfarrer"/"Pfarrei" und fragte nach dem "Wem", "Wo" und "Wie" der Nachfolge. Engel schlug abschließend des Inputs drei Perspektivwechsel hin zu einer dekonstruierten pfarrerlichen Identität vor: Diaspora statt Exodus, auctoritas statt potestas, und Situation statt Utopie. 

Ein zweiter Vortrag am nächsten Tag befasste sich mit Foucaults Theorie der Pastoralmacht und suchte vor diesem Hintergrund eine kommunikative und partizipative Form pastoralen Handelns im Anschluss an die Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" des Zweiten Vatikanischen Konzils zu beschreiben (GS 4, 11, 1 und 46). Eine bibeltheologische Besinnung zur Metapher des Gastseins/Gastgeberseins im Anschluss an einen Vortrag des ehemaligen Ordensmeisters der Dominikaner, Bruno Cadoré OP, rundete die Fortbildung ab.

 

Website der Gruppe Fortbildung im Bistum Münster >> 

 

 

 

 

Julia Knop und Ulrich Engel OP bestreiten Podiumsdiskussion in Goslar

Screenshot: Kath. Akademien in Deutschland

[31.10.2019] Die katholische Kirche steckt in einer ihrer schwersten Krisen, die sie allein zu verantworten hat. Amtsträger haben Tausende Kinder und Jugendliche sowie eine noch unbekannte Zahl katholischer Ordensfrauen sexuell missbraucht. Mit der Initiative „Strukturen des Missbrauchs überwinden“ haben sich die Katholischen Akademien im deutschsprachigen Raum zusammengeschlossen, um die Debatten zum „Synodalen Weg“  zu forcieren. Sie laden dazu ein, über die tieferliegenden Ursachen dieser Krise offen zu diskutieren und vor allem Handlungsoptionen in die Überlegungen zur Aufarbeitung der Missbrauchskrise mit einzubringen.

In Institutionen etabliert sich Macht - oft unbemerkt - auch durch Strukturen und Arten der Kommunikation. Verbal wie nonverbal. Auf beiden Ebenen ist in der katholischen Kirche Macht missbraucht worden. Welche Rolle spielen Kommunikationsstrukturen, um Machtverhältnisse in der Kirche vor Anfragen zu schützen? Wie wird Machtmissbrauch kommunikativ vorbereitet und gestützt?

Im Rahmen der Initiative der Katholischen Akademien in Deutschland "Strukturen des Missbrauchs überwinden" hatte die Kath. Akademie des Bistums Hildesheim für den 30. Oktober 2019 Prof. Dr. Julia Knop (Kath.-Theol. Fakultät der Universität Erfurt, Lehrstuhl für Dogmatik) und Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Phil.-Theol. Hochschule Münster) zu einer Podiumsdiskussion nach Goslar geladen. Im dortigen Haus der Akademie diskutierten die beiden Akteure - moderiert von Birgit Kolkmann (DeutschlandRadio Berlin) - über die Phänomene Hierarchie und Macht und fragten in besonderer Weise nach der Rolle der Sprache in diesem Zusammenhang.

Engel berief sich in seinem Eingangsvortrag v.a. auf den französischen Philosophen Michel Foucault († 1984), der Zeit seines Lebens Phänomene der Macht untersucht hat. In interessierte dabei die Ermächtigung und Subjektwerdung der Menschen. Eine besondere Machtform, mit der Foucault befasst war, ist die „Pastoralmacht“. Im Typus des Hirten (= Pastor) hat sie auch ihren Platz in der Kirche: schillernd zwischen Fürsorge und Kontrolle. Drei Prinzipien kennzeichnen die Pastoralmacht: 1. das Prinzip der Unterwerfung (d.h. die Macht der Führung der Herde und des einzelnen Schafs funktioniert nur, wenn die Herde als Ganze und jedes einzelne Schaf den Hirten als Hirten anerkennt und sich durch ihn führen lassen will); 2. das Prinzip der Fristlosigkeit der Unterwerfung (Dauerhaftigkeit), und 3. das Prinzip der Unterwerfung unter Lehre und Wahrheit (hierbei geht es immer auch um die Vorbildfunktion der Hirten, die im Rahmen des massenhaften Missbrauchs durch Kleriker zerstört worden ist. Von dieser mit Foucault gewonnen Analyseposition plädierte Engel dafür, wirklich demokratische Strukturen - orientiert an der 800 Jahre alten, amtskirchlich anerkannten Verfassung des Dominikanerordens - in die Gesamtkirche zu implementieren.

 

Programm der Veranstaltung (pdf) >> 

Bericht über den Abend auf der Website der Kath. Akademie Goslar >>  

Bericht über den Abend auf der Website des Bistums Hildesheim >>

Link zum Bericht der "Goslarschen Zeitung" >> 

 

 

 

 

 

Ulrich Engel OP begleitet Fortbildung des Bistums Münster

Foto: bahn.de

[10.10.2019] Wie können Seelsorger*innnen von einem Unternehmen lernen, das ein ähnlich schlechtes Image hat wie die Kirche? – Das Bistum Münster wollte es wissen und bot am 4./5. Juli und am 30. September/1. Oktober 2019 im Maternushaus zu Köln (Nähe Hauptbahnhof) ein zweiteiliges Fortbildungsformat an, das bei der Deutschen Bahn fremd-lernen wollte. Kreativ konzipiert und umsichtig geleitet wurde die Doppelveranstaltung von den beiden Pastoralreferenten Peter Havers (Kirche am Campus, Vechta) und Daniel Gewand (frei.raum.coesfeld).

Im Sinne einer „Fremdprophetie“ ließen sich die Teilnehmer*innen – Pastoralreferent*innen, Diakone und Priester – im ersten Block der Fortbildung von Profis der Bahn (Zugbegleiter, Manager, Servicemitarbeiterin) über Konzepte und Strategien informieren. Zudem befassten sie sich mit der ökumenischen Bahnhofsmission "Engel am Zug" in Erfurt.  Von deren Expertise im Umgang mit Kund*innen, mit Markenentwicklung, plötzlichen Herbst- oder Wintereinbrüchen und dem Image der Bahn konnten sie lernen.

Exemplarisch ging es im zweiten Block der Veranstaltung um Konsequenzen und Handlungsoptionen im eigenen pastoralen Arbeitsfeld. Diese diskutieren und reflektieren die Teilnehmer*innen zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Phil.-Theol. Hochschule Münster) in pastoraltheologischer und ekklesiologisch er Hinsicht. Engel präsentierte seine entsprechenden Überlegungen in fünf Schritten unter dem Titel: „Kirche lernt fremd – von der Bahn. Systematisch-theologische Reflexionen und spirituelle Impulse“:

  1. Vorkonziliare Selbstgewissheit: Kirche als „Societas perfecta“
  2. Konziliarer Aufbruch: Kirche im Dialog mit der „Welt“
  3. Theologiegeschichtliche Vergewisserung: Melchor Cano OP (1509-1560) und seine Lehre von den „Loci theologici“
  4. Spiritualität der Differenz nach Papst Franziskus. Oder: Nicht ohne!
  5. Gast-sein. Biblisches zu einer Haltung des Fremdlernens

Die Fortbildung bot somit Gelegenheit, in der „Fremde“ neue Ideen für die „Heimat“ zu entdecken, diese praktisch zu erproben und theologisch zu hinterfragen. Dazu formulierte jede*r Teilnehmer*in ein Lernziel für die Zeit zwischen den Blöcken im eigenen Handlungsfeld der Pastoral. Die Evaluation und Reflexion des individuellen Lernprozesses wurde dann zur Grundlage der theologischen Reflexion im zweiten Block der Fortbildung. 

 

Video-Interview mit Kaplan Hanno Rother (YouTube von "Kirche + Leben") >> 

 

 

 

 

Seite 3 von 72

Lehrveranstaltungen WS 2019/20


PTH Münster
• HS (M19): Politische Philosophie und die "Neue Rechte" (Engel) >>
 
Universität Potsdam
HS: Orden - eine zeitgemäße Lebensform? (Eggensperger / Engel) >>
 
KU Eichstätt-Ingolstadt
VL/Ü: Kirche und Stadt. Sozialethische Erwägungen (Eggensperger) >>
 
Universität Hannover
Seminar: Gott und Wahrheitsfrage. Zu Michel Foucault (Eggensperger) >>
 
Universität Vechta
• VL: Ethik der Nachhaltigkeit: Wirtschaftsethik (Eggensperger) >>
• Seminar: Glaube und Moderne - Kirche und Stadt (Eggensperger) >>
 
Universität Innsbruck
• Diverse Lehrveranstaltungen (Bauer) >>
 
 
 

Empfehlungen



Institutsbibliothek

powered by

ONLINE-KATALOG
(ca. 20.000 Titel)

B Ü C H E R S U C H E  >>



WORT UND ANTWORT
Zeitschrift der Dominikaner >>
wua_logo neu.jpg



NEU! Einladung:
Tagung "Kirche, Theologie und AfD" (Frankfurt/M., 17.-19.1.2020) >>

Aktuelles Thema:
Espaces Network: Dominican Reflection on the Phenomenon of Migration to Europe (DE, EN, FR) >>

Lektüretipp:
What is Dominican Theology? (IMDC & WORT UND ANTWORT) >> 


Web-Links zum Dominikanerorden:
- International >>
- Deutschland/Teutonia >>
- Süddeutschl./Österreich >>
- Dominikaner werden >>
- Noviziat >>
- Dominikanerinnen >>
- Dominikanische Laien >>

Web-Links zu IMDC-Partner:
- KSG Berlin >>
- Fakultät San Esteban >>
- Angelicum / FASS >>
- Wort und Antwort >>
- PTH Münster >>
- Uni Potsdam (LER) >>
- IPH >>
- IGDom >>
- DICIG >>
- AGO >>


 

 

Institut M.-Dominique Chenu

Schwedter Straße 23
D-10119 Berlin Deutschland
Fon +49 30 44037280
Fax +49 30 44037282
Fax +49 3212 1332175

sekretariat@institut-chenu.info
www.institut-chenu.eu

 

Bankverbindung

Institut M.-Dominique Chenu
Konto: 30079 00197
Bank im Bistum Essen eG
BLZ: 360 602 95
IBAN: DE70 3606 0295 3007 9001 97
BIC: GENODED1BBE