Ulrich Engel OP referiert über Reich Gottes angesichts rechter Normalisierung

Foto: Flyer zur Tagung

[25.01.2020] Zusammen mit dem Institut für Theologie und Politik, Münster, dem Institut für Katholische Theologie an der Technischen Universität Dortmund, dem Bundesverband der CAJ - Christliche Arbeiterjugend Deutschland e.V., der Arbeitsstelle interreligiöses Lernen am Institut für Evangelische Theologie an der Universität Duisburg-Essen, dem Netzwerk antisemitismus- und rassismuskritische Religionspädagogik und Theologie, der Plattform Theologie der Befreiung, dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS Deutschland und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus zeichnete das Institut M.-Dominique Chenu Berlin als Kooperationspartner verantwortlich für eine sozialwissenschaftlich und theologisch ausgerichtete Tagung zur rechten Normalisierung (17.-19.01.2020). Vorbereitet vom AK Politische Theologie in Münster und dem Haus am Dom in Frankfurt/M. widmete sich das dreitägige Treffen speziell dem Zusammenhang von "Kirche, Theologie und AfD".  

Der AK Politische Theologie ist eine Gruppe von Theolog*innen aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern (Universität und Forschung, kirchlicher Verwaltung und Verbänden, Basisarbeit). Er ist aus der Initiative Münsteraner Erklärung hervorgegangen, die sich gegen die Einladung eines AfD-Vertreters im Rahmen des Katholikentages 2018 wandte. Seitdem setzen sich die Mitglieder des AK aus politisch-theologischer Perspektive mit der rechten Normalisierung auseinander und gegen diese ein.

Seit September 2017 bildet die AfD die stärkste Oppositionskraft im Bundestag und ist ein fester Bestandteil der politischen Landschaft geworden. Für Christ*innen in unterschiedlichen Handlungsfeldern stellt sich die Frage nach dem Umgang mit der Partei, ihren Anhänger*innen und Funktionär*innen. Jede fundierte kirchliche Positionierung bedarf der Suche nach präzisen theologischen Begründungen, um die es zu ringen und für die es zu argumentieren gilt.

Ausgangspunkt der Reflexionen in Frankfurt/M. war eine sozialwissenschaftliche Analyse der Partei und ihres gesellschaftlichen Kontextes. An welche Diskurse und gesellschaftlichen Entwicklungen schließt die AfD an? Mit welchen Akteur*innen der extremen Rechten steht sie in Verbindung? Wie trägt sie dazu bei, nationalistisch-völkische, antifeministische und antidemokratische Positionen im öffentlichen Diskurs zu etablieren?

Notwendige theologische Reflexionen schlossen sich an diese Analyse an. Dabei wurde die Frage nach dem Umgang mit der AfD nicht bloß als eine pragmatische, sondern als eine genuin theologische gesehen, die eine kritische Selbstreflexion von Theologie und Kirche erfordert: Welche theologischen Kriterien lassen sich im Rahmen einer Theologie des Reiches Gottes gewinnen? Können sich die Kirchen als neutrale Räume der Begegnung unterschiedlicher Positionen verstehen? Wo braucht es ihre Parteilichkeit und prophetische Unterbrechungen?

In diesem Kontext referierte Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster) über "Kollektive Reich Gottes-Praxen". Sein politisch-theologischer Vortrag wider die rechte Normalisierung kritisierte mit Franz Kafka, Walter Benjamins, Jacques Derrida und Judith Butler die von der Katholikentagsleitung 2018 vorgebrachte Argumentation einer vorgeblich „demokratischen Notwendigkeit“ der Einladung eines AfD-Vertreters nach Münster. Sodann erinnerte Engel an drei weitgehend vergessene Theologen, die sich in faschistischer Zeit und machtkritischer Absicht politisch-theologisch mit dem Reich Gottes-Begriff auseinandergesetzt haben: Erik Peterson, Hermann Keller OSB und Ignatius Theodor Eschmann OP. Die bei diesen gewonnenen Kriterien einer kritisch verantworteten Reich Gottes-Kategorie unterzog Engel abschließend einer bibeltheologische Lektüre.

In einem abschließenden Podium diskutierten Vertreter*innen verschiedener Praxisfelder neue Perspektiven und Konsequenzen, die sich aus der Tagung ergeben. Ein optionaler Workshoptag bot Interessierten Raum, konkrete Strategien für ihre jeweiligen Handlungsfelder zu entwickeln und zu diskutieren. 

 

Zum Programm der Tagung >>

Inhaltlicher Beitrag von Jan Niklas Collet auf feinschwarz.net (10.1.2020) >>

Tagungsbericht von Thomas Klatt auf evangelisch.de >>

 

 

 

 

 

Beitrag in CONCILUM-Heft zur Queer-Theology veröffentlicht

Abb.: Grünewald Verlag Ostfildern

[06.01.2020] Unter dem Titel "Die Liebe am Ende der Zeit" veröffentlichte Prof. Dr. Angel F. Méndez Montoya OPL (Universidad Iberoamericana, Ciudad de México / Institut M.-Dominique Chenu Berlin) in der renommierten internationalen Zeitschrift CONCILUM eine Artikel über "Die eschatologische Prägung von Körpern eines unendlich queeren Begehrens". Der Text, der auch auf Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch erscheint, ist Teil des CONCILIUM-Themenheftes "QUEER THEOLOGY – Zum queeren Leib Christi werden" (5/2019). Redaktionell verantwortet wird die Nummer von der in den USA lehrenden Theologin Stefanie Knauss und dem mexikanischen Fundamentaltheologen Carlos Mendoza-Álvarez OP.

 

"Die Liebe am Ende der Zeit

Die eschatologische Prägung von Körpern eines unendlich queeren Begehrens

Ángel F. Méndez-Montoya OPL

 

I. Eine hegemoniale und gewalttätige Semiotik des Körpers dekonstruieren

Bevor sich die Queer-Theorie im universitären Milieu etablierte, trat sie auf den Straßen in Erscheinung, inmitten eines wogenden Meeres von hinsichtlich Sex und Gender verschiedenen Körpern, die alle gemeinsam riefen: We are here and we are queer. Get use to it! (≫Wir sind hier und wir sind queer. Gewohnt euch daran!≪) Körper von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transvestiten und Transsexuellen, Transgeschlechtlichen und Intersexuellen (LGBTTTI) marschierten auf den Straßen, um Widerstand zu leisten gegen einen demütigenden Ausdruck, mit dem man sie immer wieder bezeichnete und der seine Auswirkungen auf soziopolitische und religiöse Praktiken hatte, die die Menschenrechte und die Menschenwurde ≫dieses≪ queeren (cuir) Körpers aufhoben, der ≫jetzt≪ die Stimme erhob und erklärte, ≫hier≪ zu sein.1 Der Ausdruck cuir ist eine Übernahme des englischen Wortes queer ins Spanische, indem es sich an dessen Phonetik anlehnt, wenn es auch dadurch seine etymologischen Wurzeln ≫verdreht≪. Cuir meint hier auch die herabgestuften Subjektivitäten, die aufgrund ihrer Rasse oder Ethnie, ihrer Armut oder ihres Migrantenstatus oder auch ihrer Unfähigkeit in einer prekaren Situation leben. Wenn man diesen Ausdruck verbal oder zur Bezeichnung einer Handlung gebraucht, dann bedeutet cuirizar widerstehen, ins Gegenteil verkehren, Ausdrucke und Handlungen des Hasses, des Missbrauchs, der Ausbeutung, der Diskriminierung und der Gewalt gegen die von hegemonialen Gesellschaften als solche erfundenen ≫anderen≪ mit neuer Bedeutung versehen und subversiv unterlaufen. (...)"

 

Die Fortsetzung des Artikels können Sie in der Print- oder in der Online-Ausgabe der Zeitschrift CONCILUM lesen (siehe Link).

 

Bibliographie: Angel F. Méndez Montoya, Die Liebe am Ende der Zeit. Die eschatologische Prägung von Körpern eines unendlich queeren Begehrens, in: Concilium (D) 55 (2019), 567-575.

 

Zur Website von CONILIUM >>

 

 

 

 

 

Simon Hacker OP, Mitglied der Synodalversammlung, zu Gast im IMDC

Logo: Wikipedia

[05.01.2020] Knapp einen Monat vor der ersten Synodalversammlung, die vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 in Frankfurt/M. tagt, konnten die Mitglieder von Domus und Institut M.-Dominique Chenu Berlin - Thomas Eggensperger OP, Ulrich Engel OP, Max Cappabianca OP, Dennis halft OP und Amir Rahmannejad OP - ihren Mitbruder Simon Hacker OP aus Wien begrüßen. Hacker ist auf Vorschlag der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) zum Mitglied der Synodalversammlung berufen worden. Der von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gemeinsam verantworten und zwei Jahre angelegte Synodale Weg reagiert auf den massenhaften sexualisierten und geistlichen Missbrauch in der katholischen Kirche. Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ und den damit verbundenen Erschütterungen ist - so die Überzeugung vieler Christ*innen - eine Revision und Reform zentraler kirchlicher Strukturen vonnöten. In diesem Sinne wird sich die Arbeit des Synodalen Wegs den folgenden vier Themenschwerpunkten widmen: (1) „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“; (2) „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“; (3) „Priesterliche Existenz heute“; (4) „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“. Der Synodalprozess startete am 1. Advent (1. Dezember) 2019. In 2020 und 2021 wird die Synodalversammlung mit ca. 230 Mitgliedern zu vier großen Plenarsitzungen im St. Bartholomäus-Dom in Frankfurt/M. zusammenkommen. 

Das Berliner Gespräch mit Simon Hacker OP, der einer der jüngsten Synodalmitglieder sein dürfte, drehte sich um Fragen nach dem sakramentalen "Wesen" des priesterlichen Dienstes, seinen funktionalen Notwendigkeiten und den ungerechten Zugangsbedingungen. In diesem Sinne waren sich die alle Gesprächspartner über die Notwendigkeit einig, auch Frauen den Zugang zum Priestertum in der katholischen Kirche zu öffnen. Weiterhin diskutiert wurde, inwieweit die demokratische Struktur des Predigerordens Vorbild für eine Demokratisierung der gesamtkirchlichen Leitungsstrukturen sein könnte. Einig war man sich dabei hinsichtlich der Notwendigkeit, größere Partizipationsmöglichkeiten im Blick auf kirchliche Entscheidungsfindungen zu finden.

Der zweistündige Diskussionsabend, so vereinbarten die Teilnehmer, soll nicht der letzte Austausch zum Synodalen Weg gewesen sein. Gerne werden die Mitglieder von Domus und Institut M.-Dominique Chenu Berlin den Reformprozess mit ihren theologischen und religionswissenschaftlichen Kompetenzen weiter begleiten.

  

Zur Website des Synodalen Wegs >>

 

 

 

 

 

 

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KU Eichstätt
SE: Das "Gesetz" in der STh des Thomas v. Aquin (Eggensperger)
LK: Das Politische in/an Hannah Arendts „Freundschaft“ (Eggensperger)
 
Theol. Fakultät Trier
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