"Frankfurter Allgemeine Zeitung" bespricht u.a. Reich Gottes-Beitrag von Ulrich Engel OP

 

Abb.: Pustet

[07.12.2021] Im Politik-Teil ("Politische Bücher") der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 7. Dezember 2021 (Nr. 285, S. 6) bespricht Tobias Schrörs den dieses Jahr veröffentlichten Sammelband "Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung". In einem längeren Abschnitt seiner Rezension geht Schrörs auch auf den Buchbeitrag von Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / PTH Münster) ein.

 

Nun sag, wie hältst du’s mit der AfD?

Die Einladung eines AfD-Vertreters zum Katholikentag in Münster führte vor wenigen Jahren zum Streit.
Ein Sammelband will ergründen, welcher Umgang mit der Partei angemessen ist.

Von Tobias Schrörs

 

»Soll man Vertreter der AfD auf kirchliche Podien einladen? In dem hier zu besprechenden Sammelband fällt die Antwort nahezu einhellig aus: Soll man nicht. Beim Katholikentag im Jahr 2018 in Münster wurde ein AfD-Politiker zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Einige Theologen forderten in der sogenannten Münsteraner Erklärung für eine mutige Kirche vergebens dessen Ausladung. Aus dem Kreis dieser Theologen ging der Arbeitskreis Politische Theologie hervor, der zu einer Tagung einlud, nach der dann der Sammelband entstand. Dessen Titel wartet mit zwei großen Begriffen auf: rechte Normalisierung und politische Theologie.

Damit entspannt sich ein weiter Deutungsrahmen. Auf der einen Seite steht die Annahme einer rechten Normalisierung auf der Ebene der politischen Organisierung. So sei durch das Auftreten der AfD eine „signifikante Veränderung feststellbar“ (Jan-Hendrik Herbst). Schließlich sei die Partei ein Sammelbecken für Menschen mit rechter Einstellung. Auf der anderen Seite ist der Anspruch zu sehen, im Gefolge des Theologen Johann Baptist Metz eine Theologie zu treiben, die Theorie einer Praxis ist, „nämlich die rationale Rechtfertigung der Praxis der Nachfolge Jesu“ (Jan Niklas Collet und Fana Schiefen). Metz begründete in den Sechzigerjahren die Neue Politische Theologie.

Was spricht für, was gegen eine Ausgrenzungsstrategie?

Auf die einleitenden Beiträge folgt ein Teil mit sozialwissenschaftlichen Reflexionen, daran schließt sich ein Teil mit theologischen Reflexionen an. Abschließend geht es um Perspektiven für die Praxis. Der Sammelband sieht sich mit Metz einer „positionierten Theologie“ verpflichtet, „die Partei ergreift für die Leidenden, Armen und Ausgeschlossenen“ (Herbst). Die Positionierung, aus der ein Ausschluss der AfD gefolgert wird, ist unverkennbar, und bisweilen wirkt der Sammelband darum wie eine große Selbstvergewisserung, Redundanzen eingeschlossen. Ein knapperes, auf relevante Beiträge reduziertes Buch wäre vorteilhaft gewesen.

Was spricht nun für eine Ausgrenzungsstrategie gegenüber der AfD? Floris Biskamp nähert sich dieser Frage über die Entwicklung der Partei und begründet die Ausgrenzung so: Wenn die Strategie einer Partei dadurch geprägt sei, dass Rechtsextreme und Rechtsradikale um die Macht kämpften, aber versuchten, sich nach außen hin eine bürgerliche Fassade zu geben, „gibt es keinen Grund, mit ihr den Diskurs über irgendetwas zu suchen“. Es gebe ferner „keinen Grund zu glauben, dass eine Einbeziehung der Partei viele ihrer Wähler*innen ‚für die Demokratie zurückgewinnen könnte‘ – sie haben sich ja aus freien Stücken entschieden“. Ein Vorteil der Ausgrenzungsstrategie ist Biskamp zufolge, dass eine Stigmatisierung der bürgerlichen Inszenierung zuwiderlaufe. Außerdem rechtfertigt er eine Ausgrenzung aus Solidarität mit „denjenigen, gegen die die AfD hetzt und die von rechtem Terror bedroht sind“.

Die einzige Gegenstimme zur Ausgrenzungsstrategie stammt von dem Soziologen Thomas Wagner. Er legt seine Position in einem Interview dar, das von Herbst geführt wird. Schon die Form des Beitrags drückt also eine Distanz zur Haltung Wagners aus. Wagner kritisiert die These einer rechten Normalisierung. Mit Blick auf rechte Ideen und Positionen sagt er: „Eigentlich werden seit dem Ende der 1970er-Jahre meiner Wahrnehmung nach eher Rückzugsgefechte geführt.“ Bei der Ausgrenzungsstrategie ergeben sich aus Wagners Sicht verschiedene Probleme. Eine von ihm diagnostizierte „Dynamik der Ausgrenzung“ tendiere dazu, sich auf immer mehr Ausgrenzungsforderungen auszuweiten. Es gehe ferner nicht um einen verharmlosenden Dialog, sondern um eine harte Auseinandersetzung. „Ich glaube, wenn man nicht an den ‚zwanglosen Zwang des stärkeren Arguments‘ glaubt, dann kann man kein Demokrat sein.“

Roter Faden geht an manchen Stellen verloren

An einigen Stellen geht der rote Faden im Sammelband verloren. Auf das Für und Wider zu der Frage, ob man nun Vertreter der AfD einladen solle, folgt etwa ein grundlegend angelegter Beitrag. Daniel Keil greift ein Zitat auf, wonach das Drama nicht der Aufstieg der Rechten sei, sondern der Aufstieg der Rechten Teil des Dramas. Sein Beitrag mündet in der Feststellung, dass „die Krise der Demokratie als Teil der Entwicklung einer organischen Krise kapitalistischer Reproduktion betrachtet werden“ könne. Im nächsten Beitrag stellt Sonja Angelika Strube eine Analyse von Leserkommentaren auf rechtschristlichen Internetseiten vor.

Den roten Faden des Streits über die AfD-Einladung greift im theologischen zweiten Teil des Sammelbands Ulrich Engel wieder auf: „Während die Katholikentagsleitung formalrechtlich argumentierte, begründeten die kritischen Theolog*innen ihren Widerspruch inhaltlich.“ Auf der einen Seite stehe eine Position, die alle im Bundestag vertretenen Parteien unter politisch-rechtlichen Gesichtspunkten gleich behandle. Auf der anderen Seite – also auf der der Unterstützer der Münsteraner Erklärung – würden „menschenrechtsbasierte Argumente“ angeführt; „demnach legitimiert der Einzug in den Bundestag auf keinen Fall eine kirchliche Gesprächseinladung an Mitglieder einer Partei, die wie die AfD rassistische und nationalistische Positionen vertritt“.

 Der Metz-Schüler Engel geht in seinem Text der Frage nach, „welche Kriterien sich im Rahmen einer Theologie des Reiches Gottes für einen Umgang mit rechten Positionen gewinnen lassen“. Engel stellt in Auseinandersetzung mit einer Erzählung Franz Kafkas das von den Verantwortlichen des Katholikentags „vorgebrachte Argument der demokratischen Notwendigkeit hinsichtlich seines normativen Anspruchs in Frage“. Im Anschluss an Walter Benjamins Essay „Kritik der Gewalt“ bestimmt Engel einen Punkt jenseits der faktischen Rechtsordnung, von dem aus eine formal begründete Rechtsgewalt kritisiert werden könne. In theologischer Hinsicht, schreibt Engel, könne dieser Punkt als „Reich-Gottes-Praxis“ beschrieben werden. Im theologischen Teil des Bandes spielt die Frage nach dem Selbstverständnis der Kirche insgesamt eine wichtige Rolle.

Im abschließenden, praktischen Teil des Bandes weisen Christoph Holbein-Munske und Judith Wüllhorst mit Blick auf den Katholikentag darauf hin, dass, wenn ein AfD-Vertreter auf einem Podium spreche, öffentlich sichtbar werde, dass Kirchenverantwortliche AfD-Vertreter für relevante und legitime Gesprächspartner hielten. In diesem Sinne schreiben auch die drei Herausgeber Collet, Lis und Taxacher im Epilog: „Während wir 2018 vehement für den politischen Ausschluss der AfD auf dem Katholikentag plädiert haben, sind wir wissenschaftlich aus den gleichen Gründen genau den anderen Weg verstärkter Auseinandersetzung gegangen.“ Dem ist hinzuzufügen, dass es der streitbaren Sache dienlicher gewesen wäre, wenn mehr als eine abweichende Stimme im Sammelband zu Wort gekommen wäre.«

FAZ, 07.12.2021

 

Bibliographie:

Ulrich Engel, Kollektive Reich Gottes-Praxen im Konjunktiv. Politisch-theologische Reflexionen wider die rechte Normalisierung, in: J.N. Collet / J. Lis / G. Taxacher (Hrsg.), Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung, Verlag Friedrich Pustet Regensburg und Institut für Theologie und Politik Münster 2021, 139–157. 

Jan Niklas Collet / Julia Lis / Gregor Taxacher (Hrsg.), Rechte Normalisierung und politische Theologie. Eine Standortbestimmung, Verlag Friedrich Pustet Regensburg und Institut für Theologie und Politik Münster 2021, 280 S. € 26,95, ISBN/EAN 9783791732879.

 

Zum Buch auf der Website des Pustet Verlags (Regensburg) >>

 

Weitere Informationen zum Buch und zur Thematik >>

 

 

 

 

 

Isnard Frank OP (1930-2010): Neues Buch zur Sozialgestalt des Dominikanerordens erschienen

 

Coverabb.: Benno Verlag

[01.12.2021] In der vom Institut M.-Dominique Chenu Berlin herausgegebenen Reihe "Dominikanische Quellen und Zeugnisse" (DQZ) ist ein neuer Band erschienen. Das von dem Münsteraner Kirchengeschichtler Prof. Dr. Klaus-Bernward Springer verantwortete Buch des ehemals an der Universität Mainz lehrenden Dominikaners und Ordenshistorikers Prof. Dr. Isnard W. Frank OP (1930–2010) befasst sich mit der Sozialgestalt des Predigerordens. Da Ausbreitung und Tätigkeit sich fast ausschließlich in den Städten vollzogen, kann man die Bettelorden als verstädterte Gestalt des abendländischen Mönchtums bezeichnen. Die den Bettelorden eigentümlichen gemeinsamen Merkmale sind davon mitbestimmt: Verzicht auf herrschaftsfördernden Besitz und Einkünfte; Seelsorge an den Laien im Zuschnitt der zeitgebundenen Bedürfnisse in Form von Unterweisung und kultisch-sakramentalen Dienstleistungen; korporative Verfassung als ortsunabhängige Personenverbände. Fachlich fundiert und dabei in allgemeinverständlicher Sprache thematisiert Prof. Dr. Isnard W. Frank OP (1930–2010) die sozialen und kirchlichen Kontexte dominikanischer Predigt im Mittelalter: Bettelordensarchitektur, Dominikanerinnen, pfarrähnliche Konkurrenzseelsorge, ökonomische Rahmenbedingungen, Inquisition…

Der Autor: Isnard W. Frank OP (1930–2010), Dr. phil. habil., Lect. Theol.; 1953 Eintritt in den Dominikanerorden; 1969–1972 Lektor für Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Dominikaner in Walberberg (Albertus-Magnus-Akademie); 1979–1995 Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz; 1993–2010 Gründer und Leiter des "IGDom – Institut zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum".

Der Herausgeber: Klaus-Bernward Springer (geb. 1962), Dr. theol. habil.; seit 2016 Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster; Geschäftsführer des "Instituts zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum", Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Archiv der Dominikaner-Provinz Teutonia, Köln.

 

Bibliographische Angaben: Isnard W. Frank, Verstädtertes Mönchtum. Zur Sozialgestalt des Dominikanerordens (Dominikanische Quellen und Zeugnisse Bd. 23), Benno Verlag Leipzig 2021, 208 S., € 14,95, ISB 978-3746260662.

 

Bestellen Sie das Buch über die "vivat!"-Website des Benno Verlags >> 

  

In der DQZ-Reihe ist von Isnard W. Frank OP ebenfalls erschienen... >> 

 

 

 

 

Christian Bauer OPL gibt Festschrift für Rainer Bucher mit heraus 

 

Abb.: Echter Verlag

[16.11.2021] Wie weiter gehen – weiter als bisher, auf eingetretenen wie ungewissen Wegen, mit Neugier und Lust auf Entdeckungen, mit bekannten und ungewöhnlichen Menschen, in der Theologie und darüber hinaus? Wie geht (es für) Prof. Dr. Rainer Bucher (Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität Graz/Österreich) weiter, dem dieser Sammelband zu seinem 65. Geburtstag und seiner bevorstehenden Emeritierung gewidmet ist?

Die Beiträge des Buches zielen nicht auf Bilanzierendes und Abschließendes, sondern auf Öffnendes und Weiterführendes. Sie verstehen sich als Roadmap für die inhaltliche Auseinandersetzung, in der die Themen Rainer Buchers aufgegriffen, um- und weitergedacht werden und in der auch durch ihn inspiriert Neues in den Raum gestellt wird. Dem Beschreiten neuer Formen, Settings, Räume, Orte und Zeiten sollen dabei keine Grenzen gesetzt sein – suchend und fragend, lustvoll und furchtlos, vertraut kontrovers und in Begegnung.

Zusammen mit Ao. Prof. Dr. Maria Elisabeth Aigner (Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie, Universität Graz), Prof. Dr.  Birgit Hoyer (Leiterin des Bereichs Bildung im Erzbistum Berlin), Prof. Dr. Michael Schüßler, Dipl.-Päd. (Praktische Theologie, Universität Tübingen), und Apl. Prof. Dr. Hildegard Wustmans (Dezernentin für Pastorale Dienste im Bistum Limburg) zeichnet Prof. Dr.  Christian Bauer OPL (Pastoraltheologie und Homiletik, Universität Innsbruck / Institut M.-Dominique Chenu Berlin) für die Herausgabe der Festschrift verantwortlich.

 

Bibliographie: Maria Elisabeth Aigner / Christian Bauer / Birgit Hoyer / Michael Schüßler / Hildegard Wustmans (Hrsg.), Weiter Gehen. Eine Roadmap ins Offene (FS Rainer Bucher), Echter-Verlag Würzburg 2021, 392 S., € 39,00, ISBN 9783429057008.

 

Zum Buch auf der Website des Echter Verlags Würzburg >>

 

Zur Website der Lehrstuhls von Prof. Dr. Christian Bauer >>

 

 

 

 

 

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