Theologisches Symposium zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Ulrich Engel OP

 

Abb.: KAAD

[12.09.2021] Teilnehmer*innen aus Großbritannien, Spanien, Italien, der Schweiz und Deutschland haben sich Mitte September 2021 auf Anlass des 60. Geburtstags von Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Campus für Theologie und Spiritualität Berlin / PHT Münster) zu einem wissenschaftlichen Symposium zum Thema "Apologie der Verschiedenheit" in Berlin zusammengefunden. Organisiert von drei Schülern des Jubilars - Jan-Niklas Collet, Dr. Rainer Gottschalg und Dr. Florian Kleeberg - versammelte das Treffen Weggefährt*innen zu Vorträgen und Diskussionen, die allesamt ihren gedanklichen Ausgangspunkt von dem Text "Apologie der Verschiedenheit" des französischen Intellektuellen Michel de Certeau SJ (1925-1986) nahmen.

Eingeleitet wurde das Treffen im Militärbischofsamt von Ulrich Engel mit einer an de Certeau Maß nehmenden philosophisch-theologischen Reflexion über die Frage, ob, und falls ja: wie Erfahrungen gemeinschaftlicher (Glaubens-)Praxis spätmodern überhaupt noch möglich sind. Daran anschließend diskutierte Felix Geyer ISch (München / Institut M.-Dominique Chenu Berlin) den Erfahrungs- und Religionsbegriff des philosophischen Pragmatismus als vorläufige Erweiterung des Denkens der Verschiedenheit. Dr. Daniel Barreto (Universidad de Las Palmas de Gran Canaria) thematisierte die Übersetzungstheorie Franz Rosenzweigs. Dr. Michael Hoelzl (University of Manchester) fragte nach den Grundproblemen pastoraler Herrschaft und ihrer politischen Aktualität. Dr. Dr. Teresa Forcades i Vila OSB (Benediktinerinnenabtei Montserrat/Katalonien) untersuchte Certeaus Théologie de la Différence aus der Perspektive der klassischen trinitarischen Theologie insbesondere in Bezug auf die Theologie des Thomas von Aquin. Dr. Dennis Halft OP (Universität Trier / Institut M.-Dominique Chenu Berlin) skizzierte im historischen Angang die Konturen einer Jüdischen "Theologie der Verschiedenheit" nach der Shoah im Denken von André Neher (+ 1988). Prof. Dr. Felix Körner SJ (Pontificia Università Gregoriana, Rom) entwarf eine Theologie der Andersheit im Blick auf das aktuelle Verhältnis zwischen Christentum und Islam. Dr. Rainer Gottschalg (ZdK Bonn) befasste sich mit Weltbegegnung im Modus der Digitalität. Dr. Florian Kleeberg (Bistum Münster) fragte nach den Folgen einer Theologie der Verschiedenheit für diverse menschliche Beziehungsformen. Jan Niklas Collet (Universität Köln) dachte Certeaus Apologie der Verschiedenheit in befreiungstheologischer Perspektive weiter im Blick auf die heute vielerorts anzutreffenden Tendenzen einer rechten Normalisierung. Das Symposium, das die Teilnehmenden auch zu verschiedenen Gebetseinheiten und gemeinsamen Mahlzeiten zusammenkommen lies, schloss mit einem Festvortrag von Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / PHT Münster), der Meister Eckharts "Reden der Unterscheidung" einer Relecture unterzog und so auch - v.a. im Gehorsamsbegriff - ihr machtkritisches Potential deutlich machen konnte.