2/2021: "Tugend Tapferkeit. Widerstand für eine gute Sache"

Abbildung: www.wort-und-antwort.de

[30.04.2021] "Im Laufe der kulturgeschichtlichen Tradition sind in Aufzählung und Zuordnung unterschiedlich gesetzte Tugendtafeln entstanden. Durchgesetzt haben sich am Ende zwei von ihnen, die einander zugeordnet sind: So spricht man von den „drei theologischen Tugenden“ (Glaube, Liebe, Hoffnung) einerseits und den „vier Kardinaltugenden“ (Gerechtigkeit, Klugheit, Maß und Tapferkeit) andererseits. Die Tugend der Tapferkeit ist das Thema dieses Heftes. Zweifellos ist sie die komplexeste, da sie recht unzeitgemäß wirkt. Tapferkeit suggeriert militärische, teilweise sogar militaristische Grundhaltung und wird damit qua Tugend mit deutlich größeren Reserven bewertet als die anderen Haltungen der beiden Tugendtafeln. Da scheint das Märchen vom „Tapferen Schneiderlein“ noch eher verharmlosend daher zu kommen, das im Coverbild dieses Heftes als Briefmarkensatz seinen Platz gefunden hat.

Alexander Merkl (Hildesheim) führt in die Thematik ein und hält Tapferkeit unter anderem für eine Variante von „Zivilcourage“. Thomas Hoppe (Hamburg) sieht die Vieldimensionalität der Aufgaben politischer Friedenssicherung in der Gegenwart. Für ihn sind Tapferkeit und Mut Einstellungsmuster und Grundhaltungen, die nicht mehr nur auf militärischer Ebene zu erwarten sind, sondern auch von politisch Verantwortlichen, die solchen Erwartungen ebenso gerecht werden müssen. Irmtraud Fischer (Graz) analysiert am Beispiel des alttestamentlichen Buches Judit gendersensibel die Widerstandskraft der tapferen Frau. Männer beweisen ihre Tapferkeit vor allem im Kampf gegen Gefahren und werden durch ihr aktives Eingreifen in Notlagen als Retter gefeiert. Frauen dagegen werden von der Gesellschaft vor allem im Erleiden und passivem Ertragen als tapfer bezeichnet. Der Beitrag zeigt, dass diese vorgeblich tapfer zu ertragenden Umstände durchaus als Konsequenzen aus geschlechtsspezifischer Diskriminierung zu betrachten sind. Felix Geyer ISch (München) stellt einen Zusammenhang zwischen Tapferkeit und Resilienz her. Resilienz einerseits meint den Analysetool zum leichteren Auffinden von Problemlösungen, Tapferkeit andererseits ist die Haltung, die in einer Situation diese Komplexitätsreduktion leistet. So wird Tugend der Tapferkeit zur Verhaltensweise einer gebündelten Resilienz. Thomas Dienberg OFMCap (Münster) skizziert die spirituellen Aspekte von Tapferkeit. Spiritualität hat mit gelebtem Glauben zu tun – und die Tapferkeit ist gelebter Glaube par excellence. Mit den düsteren Seiten falsch verstandener Tapferkeit setzt sich Franklin Buitrago Rojas OP (Bogotá) auseinander, wenn er am Beispiel des kolumbianischen Terroristen Pablo Escobar zeigt, wie ein Krimineller für bestimmte Gruppen zum gefeierten Helden wird. Elias Füllenbach OP (Düsseldorf) erinnert an den Dominikaner Odilo Braun OP, der keine Angst hatte, sich den Nationalsozialisten entgegenzustellen. Thomas Möllenbeck (Münster) unterzieht die  Gedanken des Philosophen Josef Pieper zum Thema der Tapferkeit einer Relecture. Für Pieper und seine Zeit waren diese Tugend – unter Rekurs auf die Tugendethik des Thomas von Aquin – noch ein Thema, demgegenüber man zwar unbefangener, nicht aber unkritisch umging." (Editorial)  

 

Zum Inhaltsverzeichnis des Heftes und zur Website von WORT UND ANTWORT >>

Neu! WORT UND ANTWORT Online-Ausgabe >>