Ulrich Engel OP: Studientag mit Pastoralen Mitarbeiter*innen im Bistum Essen

Foto: www.futur2.org

[07.07.2018] Warum treten Menschen aus der Kirche aus – und was kann die Kirche tun, um diesen Trend zu stoppen? Diese Fragen stehen im Zentrum einer Studie, die im Herder Verlag Freiburg/Br. mit dem Titel „Kirchenaustritt – oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss“ erschienen ist. „Es kann doch nicht sein, dass uns innerhalb der Kirche völlig egal ist, wenn eine erschreckend hohe Zahl getaufter Katholikinnen und Katholiken enttäuscht, frustriert oder gar zornig zum Amtsgericht geht, um den Austritt aus der Kirche zu erklären“, schreibt der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, im Vorwort des Buches. Ausgetretene und Austrittswillige müssten für die Kirche „wichtige Ansprechpartner“ sein – auch wenn sie der Kirche „ein äußerst kritisches Feedback“ zumuten, so Pfeffer.

Einiges von diesem kritischen Feedback bildet die insgesamt fünfteilige Kirchenaustritts-Studie ab. So stellt ein Team der Uni Siegen und der CVJM-Hochschule Kassel die Ergebnisse qualitativer Interviews mit Menschen aus dem Ruhrbistum vor, die aus der Kirche ausgetreten sind, und die für diesen Schritt sehr differenzierte Gründe nennen. Diese vielschichtige Sicht bestätigt ein weiterer Abschnitt des Buchs – die sogenannte Meta-Studie über bisher erschienene relevante Studien rund um die Themen Kirchenmitgliedschaft und -Austritte. Aus dieser Zusammenschau haben Wissenschaftler des Zentrums für angewandte Pastoralforschung an der Ruhr-Universität Bochum sieben „Dimensionen der Kirchenmitgliedschaft“ entwickelt, die zeigen, dass die Entscheidung für oder gegen einen Kirchenaustritt von deutlich mehr Aspekten abhängt als von der Kirchensteuer oder einer Skandal-Meldung in der Presse. Im dritten wissenschaftlichen Abschnitt entwerfen Theologen des Berliner Instituts M.-Dominique Chenu (IMDC) (Jan Niklas Collet, Thomas Eggensperger OP, Ulrich Engel OP) das Bild einer „Kirche mit offenen Rändern in Bewegung“ als Alternative zum starren Mitgliedschaftskonzept des „drinnen oder draußen“.

Im Rahmen eines Studientags für hauptamtliche Pastorale Mitarbeiter*innen aus dem Bistum Essen hielt Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster) zwei Vorträge. Der erste griff die zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der o.g. Studie und ihre Deutung durch Markus Etscheid-Stams und Thomas Rünker (beide Bistum Essen) auf und stellte unter dem Titel "Von der Pastoral der Rahmung zur Sozialen Bewegung" das Paradigma vor, das dem Beitrag des Berliner Instituts der Dominikaner zur Studie zugrunde liet. Ausgehend von einigen ausgewählten Einsichten in heute aktuelle posttraditionelle Vergemeinschaftungsformen  markierte Engel die Erosion aller klassischen Formen einer "Pastoral der Rahmung". Über die Diskussion neuerer pastoraltheologischer Ansätze (Philippe Bacq SJ, Michael Schüßler, Rainer Bucher) positionierte sich Engel mit der IMDC-These, nach der Kirche sich zukünftig als "Soziale Bewegung" zu verstehen habe.

Ein zweiter Input Engels skizzierte biblische Gestalten, die als hoch individualisierte "Typen" von Jüngerinnen und Jünger Christus-Nachfolge lebten und - gerade ob des personalen und individuellen Zuschnittes dieser frühen christlichen Existenzform auch spätmodernen, hoch individualisierten Christ*innen-Existenzen Vorbild sein Können. Nachdenkliche Zweier- und Gruppengespräche sowie engagierte Plenumsdiskussionen zeugten von der Brisanz des Thematik für aktuelle und zukünftige pastorale Praktiken und Strategien.

 

Weitere Informationen zum Beitrag des IMDC zur Essener Kirchenaustrittsstudie auf der IMDC-Website: >> 

Bistum Essen zur Kirchenaustrittsstudie: >> 

 

 

 

 

 

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