"Kirchenaustritt - oder nicht? Wie sich Kirche verändern muss"

[12.02.2018] Was bewegt Katholiken in Deutschland, aus der Kirche auszutreten? Aus welchen Gründen bleiben viele andere in der Kirche? Und wie könnte dementsprechend eine Kirche aussehen, die Menschen heute zum Verbleib einlädt? Das Buch stellt prägnant die Ergebnisse von bisherigen Studien zu Kirchenbindung und Kirchenaustritt dar (1), verknüpft diese mit qualitativen Forschungsergebnissen aus dem urbanen Raum des Ruhrgebiets (2) und reflektiert diese systematisch-theologisch (3). Am Ende stehen konkrete Ideen und Vorschläge zu einem ekklesiologischen Umdenken und zu strategischen Veränderungen für die katholische Kirche in Deutschland.  

Auf Einladung des Bistums Essen hatten Jan Niklas Collet, Mag. Theol. (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Institut für Katholische Theologie der Universität zu Köln), Prof. Dr. Thomas Eggensperger OP, M.A. (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster) und Prof. Dr. Ulrich Engel OP (Institut M.-Dominique Chenu Berlin / Philosophisch-Theologische Hochschule Münster) am dritten Teil der Gesamtstudie mitgearbeitet. Unter dem Titel "Offene Ränder - vielgestaltige Zugehörigkeiten. Theologische Reflexionen zu einer pluralitätsfähigen und engagierten Kirche in Bewegung" präsentieren die drei Mitarbeiter des Institut M.-Dominique Chenu auf 80 Seiten die Ergebnisse ihrer Reflexionen. Der Text ist in einem von den Initiatoren Markus Etscheid-Stams / Regina Laudage-Kleeberg / Thomas Rünker im Auftrag des Bistums Essen herausgegebenen Sammelbandes im Herder Verlag erschienen.

In ihrer Zusammenfassung schreiben die Berliner Autoren:

"(...) Nach den vorgelegten ekklesiologischen und pastoraltheologischen Reflexionen über eine Kirche mit offenen Rändern in Bewegung lassen sich die daran anschließenden Handlungsempfehlungen für das Bistum Essen folgendermaßen zusammenfassen. Nach unserer Reflexion sollte das Bistum Essen

1. bereits bestehende Projekte stärken und weitere initiieren, die wie das pfarrübergreifende Trauteam oder die Gestaltung von Segensfeiern für Familien mit Neugeborenen Gottesdienstformate gestalten bzw. neu entwickeln, die insbesondere jene Menschen ansprechen sollen, die ansonsten selten oder gar keine kirchlichen Angebote in Anspruch nehmen.

2. verstärkt reflektieren, welche gesellschaftlichen Gruppen aus welchen Gründen (seien sie theologischer, kirchenrechtlicher oder kirchenpolitischer Art etc.) von bestimmten liturgischen Vollzügen weiterhin ausgeschlossen sind, und von dieser Reflexion ausgehend Projekte initiieren, diesen Ausschlüssen praktisch zu begegnen und sie nach Möglichkeit abzustellen.

3. Projekte fördern und in Gang setzen, die der stärkeren Etablierung von Gemeindecaritas an möglichst vielen kirchlichen Orten dienen.

4. zu einer starken Verbindung von professioneller Verbands- und Gemeindecaritas an möglichst vielen kirchlichen Orten anregen und entsprechende Bemühungen unterstützen.

5. Formate für eine innerkirchliche Diskussionskultur insbesondere über das sozial-caritative Engagement der Kirche im Allgemeinen und die (sozial-)politischen Positionen der Kirche im Besonderen weiter erproben und stärken und dabei deutlich machen, dass das sozialcaritative, humanitäre und politische Engagement der Kirche zum „Kern ihres göttlichen Auftrags“ gehört.

6. die Homiletikaus- und -weiterbildung der pastoralen Dienste in ihrer Attraktivität stärken und dabei u. a. besonderes Gewicht auf die Verwendung metaphorischer Sprache und die Bedingungen für ihr praktisches Gelingen legen.

7. in Gleichzeitigkeit mit dem bestehenden Kirchensteuermodell alternative Modelle der Kirchenfinanzierung erproben; dabei sollte insbesondere auf die Erfahrungen von großen Bewegungsorganisationen, aber auch von Parteien und Gewerkschaften zurückgegriffen werden; die Erprobung entsprechender Modelle sollte zugleich wirtschafts- und sozialwissenschaftlich begleitet werden.

Selbstverständlich handelt es sich bei diesen Handlungsempfehlungen lediglich um einige wenige Perspektiven für eine pluralitätsfähige und engagierte Kirche in Bewegung. Dass sich deren Realisierung nicht unmittelbar ins Werk setzen lässt, ist evident. Angesprochen sind damit allerdings einige wichtige Handlungsfelder, auf denen sich unserer Meinung nach die Kirche im Bistum Essen (noch) mehr zu einer Kirche mit offenen Rändern weiterentwickeln ließe." (283f.)

 

Bibliographie des IMDC-Beitrags: Jan Niklas Collet / Thomas Eggensperger / Ulrich Engel, Offene Ränder – vielgestaltige Zugehörigkeiten. Theologische Reflexionen zu einer pluralitätsfähigen und engagierten Kirche in Bewegung, in: Markus Etscheid-Stams / Regina Laudage-Kleeberg / Thomas Rünker im Auftrag des Bistums Essen (Hrsg.), Kirchenaustritt – oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss, Verlag Herder Freiburg/Br. - Basel - Wien 2018, 208-288. 

 

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