"Politisch-spirituelle Existenz in post/säkularer Gesellschaft"

 

[18.10.2015] Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Frauenorden im Erzbistum Berlin hielt Prof. Dr. Ulrich Engel OP (PTH Münster / Institut M.-Dominique Chenu Berlin) am 17. Oktober 2015 das Impulsreferat auf dem diesjährigen Berliner Ordenstag. Vor ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern lotete Engel in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum Grenzorte aus, an denen Eignes und Anderes neue Konstellationen ausbildet. Auch wenn Kräfte nachlassen, große Nachwuchszahlen der Vergangenheit angehören und die eigene Lebensform als schwach erfahren wird, kann die Krise der Orden als Chance begriffen werden. Engel machte den versammelten Ordensfrauen und -männern Mut, die eigene Schwäche als Kraft zu begreifen und somit kritisch und kreativ in die spätmoderne post/säkuklare Gesellschaft hineinzuwirken. Denn alle Orte menschlichen Lebens und alle existentiellen Erfahrungen sind Orte der Offenbarung, deshalb auch Orte der Kirche und somit selbstverständlich gleichermaßen Orte der Orden. Damit ist der traditionellen Trennungen zwischen Innen (der sog. „Kerngemeinde“) und Außen (den sog. „Fernstehenden“), zwischen Mystik und Politik, Immanenz und Transzendenz, Natur und Gnade, Kirche und Welt definitiv ein Ende gesetzt. Anstelle des alten Slogans „Außerhalb der Kirche ist kein Heil“ gilt nun ein neues Leitbild: „Außerhalb der Welt kein Heil“ (Edward Schillebeeckx OP)! Oder wie es Jon Sobrino SJ einmal in befreiungstheologischer Zuspitzung formuliert hat: „Außerhalb der Armen kein Heil“.